Mitglied der Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe Landesverband Württemberg e.V.

Freundeskreis für Suchtkrankenhilfe Landesverband Württemberg

Leitbild

Leitbild der Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe

- verabschiedet auf der Bundesdelegiertenkonferenz am 3. Juli 1999 in Goslar

 

1. Wir setzen auf persönliche Beziehungen.

" Ein Freund ist ein Mensch der mich annimmt, wertschätzt und versteht. Auf Freunde kann ich mich jederzeit verlassen und Freunde können auf mich zählen."
Davon gingen die ehemaligen Patienten von Fachkrankenhäusern der Diakonie aus, als sie 1956 die ersten Freundeskreise gründeten und das ist auch heute noch das Programm der Freundeskreise. Das Zusammensein ist geprägt von Freundschaft, von offenem Austausch und gegenseitiger Unterstützung. Persönliche Beziehungen und Freundschaft werden als Grundlage für ein zufriedenes Leben ohne Suchtmittel angesehen.

 

2. Wir sehen den ganzen Menschen.


Im Mittelpunkt von Freundeskreisarbeit steht der von Sucht betroffene Mensch. Freundeskreise haben hier eine ganzheitliche Sichtweise. Es geht also nicht nur um die körperliche, sondern auch um die seelische Gesundheit. Dabei ist vor allem eine Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens zu finden. Freundeskreise wollen den Prozess der Sinnfindung unterstützen. Christliche Grundwerte, insbesondere die Liebe zum nächsten, sind dabei das Fundament. Aus diesem Verständnis heraus gehören die Freundeskreise zur Diakonie. Freundeskreise sind jedoch offen für alle Konfessionen.

 

3. Wir begleiten Abhängige und Angehörige gleichermaßen.


Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen, können Abhängige wie auch Angehörige gleichermaßen - wenn auch anders - von Sucht betroffen sein. Freundeskreise betrachten die Sucht als Familienkrankheit. Deshalb sind sie nicht nur für abhängige Menschen offen, sondern auch genauso für die (Ehe)-Partner/innen, Kinder, persönliche Freunde und Arbeitskollegen von Suchtkranken und Suchtmittelmissbrauchern. Auch Angehörige bekommen ebenso den Raum in der Gruppe, den sie für die Bearbeitung ihrer eigenen Probleme benötigen Vielerorts gibt es auch spezifische, zielgruppenorientierte Gruppenangebote.

 

4. Wir verstehen uns als Selbsthilfegruppen.


Selbsthilfe kennzeichnet: Selbstbestimmung, Eigenverantwortung, Gleichberechtigung und Freiwilligkeit. Menschen kommen in Selbsthilfegruppen, weil sie am Ende sind und ihre Probleme mit Suchtmitteln nicht mehr alleine bewältigen können. Die Erfahrungen der anderen Betroffenen machen Mut und können einen Umdenkungsprozess in Gang setzen. Neue und andere Möglichkeiten, das eigen leben zu gestalten eröffnen sich. Das betrifft insbesondere auch den Umgang mit Konflikten. Somit können Menschen in der Selbsthilfe persönlich reifen und sich weiterentwickeln.
In den Selbsthilfegruppen der Freundeskreis gibt es keine Hierarchien, keine Statuten oder schriftliche Verpflichtungen. Einzig die selbstauferlegte Verpflichtung, über Inhalte des Gruppengesprächs nach außen zu schweigen, ist notwendig, damit das Gespräch in Gruppe funktionieren kann.

 

5. Wir begleiten in eine zufriedene Abstinenz.


Suchtkrankheit kann nur dann zum Stillstand kommen, wenn der Suchtmittelkonsum eingestellt wird. Ein abhängiger Mensch ist nicht in der Lage, dauerhaft den Suchtmittelkonsum zu steuern oder zu kontrollieren. Den Entschluss zur Suchtmittelabstinenz trifft jedes Freundeskreismitglied selbstbewusst und eigen verantwortlich. Die gruppe begleitet den Prozess zur Entscheidungsfindung als solidarische Gemeinschaft und unterstützt in Krisensituationen.
Für die Gesellschaft fordern Freundeskreise kein generelles Verbot von Suchtmitteln, unterstützen aber Maßnahmen zur Beschränkung, zum Beispiel von Zugangsmöglichkeiten. Durch Information, Öffentlichkeitsarbeit, Prävention und Prophylaxe setzen sie sich für einen bewussten Umgang mit Suchtmitteln ein und tragen nach außen, dass ein Leben ohne Suchtstoffe lebenswert ist.

 

6. Wir sind für alle Suchtformen offen.


Freundeskreise sprechen mit ihrer Gruppenarbeit in erster Linie Menschen mit einer Alkohol und/oder Medikamentenproblematik an. Die Gruppen sind jedoch offen für andere Süchte, wie zum Beispiel Spielsucht und Essstörungen. Auch Menschen mit einer Abhängigkeit von illegalen Drogen sind willkommen. Freundeskreise bemühen sich um Offenheit, denn sie wollen gerade auch junge Menschen ansprechen, die oftmals nicht nur von einem Suchtmittel abhängig sind. Freundeskreise bieten Hilfe zur Gruppengründung an, um Abhängige von anderen Süchten zu unterstützen.

 

7. Wir leisten ehrenamtliche Hilfe.


Menschen in den Freundeskreisen können nach einer gewissen Zeit der Reifung zu aktiven Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen in der Suchtselbsthilfe werden. Sie geben dann ihre persönlichen Erfahrungen an interessierte weiter und informieren über Suchterkrankungen in Schule, Konfirmandengruppen, Betrieben etc. . Dies geschieht immer ehrenamtlich und unentgeltlich. Mit diesem bürgerschaftlichen Engagement leisten die Mitglieder der Freundeskreise einen wichtigen gesellschaftlichen beitrag und tragen zu Einsparungen im Gesundheitswesen bei.
Die Übernahme von Aufgaben bringt jedoch auch finanzielle Belastungen mit sich und ist kaum ohne ideelle und materielle Unterstützung durchzuführen. Die Annahme von öffentlichen Geldern bringt Sachzwänge mit sich, die die Struktur einer Selbsthilfegruppe beeinflussen aber auch gefährden können. Freundeskreise sind sich dieser Gefahr bewusst. Der unbestrittene Grundsatz der Hilfe zur Selbsthilfe steht dabei immer an erster Stelle.

 

8. Wir arbeiten im Verbund der Suchtkrankenhilfe.


Das Angebot der Freundeskreise umfasst Beratung und Betreuung im Sinne von Selbsthilfe, Motivationsarbeit, Durchführung von Gruppenabenden, von Hausbesuchen und Begleitung der Suchtkranken und Angehörigen zu Beratungsstellen, Fachkliniken, Behörden etc..
Allein durch den Anschluss an eine Freundeskreisgruppe finden immer mehr Suchtkranke und Suchtmittelmissbraucher den Weg zur abstinenten Lebensgestaltung.
Freundeskreise arbeiten im Behandlungsverbund der Suchtkrankenhilfe partnerschaftlich mit anderen Institutionen zusammen, insbesondere mit Beratungsstellen und Fachkliniken. Sie verstehen sich als verlässliche Säule der therapeutischen Verbundes. Haupt- und Ehrenamtliche können sich so vor Ort optimal ergänzen.

Auf Landes- und Bundesebene sind die Freundeskreise über ihre Mitgliedschaft im Gesamtverband für Suchtkrankenhilfe im Diakonischen Werk der evangelischen Kirche in Deutschland e.V. (Berlin) und der deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (Hamm) in den Behandlungsverbund eingebunden. Mit Selbsthilfe- und Abstinenzverbänden gibt es eine gute Kooperation, was unter anderem in der Durchführung gemeinsamer Projekte zum Ausdruck kommt.

 

9. Wir sind Freundeskreise.


Freundeskreis bedeutet: Ein Kreis von Freunden. Im Laufe ihrer Entwicklungsgeschichte haben sich Freundeskreise organisiert und Strukturen geschaffen. Sie haben Landesverbände und schließlich den Bundesverband gegründet. Über die Gemeinschaftwissen sich die Mitglieder als Freunde verbunden. Ein Netzwerk der persönlichen Hilfe ist entstanden. Diese gewachsenen Organisationsstrukturen werden von allen Mitgliedern mitgetragen und anerkannt. deshalb leisten Freundeskreismitglieder auch ihren finanziellen Beitrag zur Gemeinschaft.
Die Präsentation der Gemeinschaft in der Öffentlichkeit erfolgt durch die Wort- und Bildmarke des Freundeskreislogos.
Freundeskreise sind keine anonymen Gruppen. Die Gruppenbegleiter sind namentlich als Ansprechpartner bekannt.

 

Die Vereinigung Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe e. V. (kurz „Freundeskreise“ genannt) organisiert in Deutschland bundesweit Selbsthilfegruppen für Alkohol-, Medikamenten- und Drogenabhängige.

Gegründet wurde die Organisation 1956 unter dem Namen „Freundesring der Abstinenzler e. V.“ durch ehemalige Patienten der Rehaklinik Haus Burgwald. 1978 wurde die damalige Bundesarbeitsgemeinschaft der Freundeskreise gegründet. 1999 gab sich die Gemeinschaft den heute noch gültigen Namen. Die örtlichen Freundeskreise sind in 16 Landesverbänden organisiert. In Deutschland existieren derzeit rund 800 Gruppen der Freundeskreise.

Die Selbsthilfegruppen der Freundeskreise bieten neben den Gesprächsgruppen auch Freizeitaktivitäten an; Alkoholkranke und Abhängige illegaler Drogen treffen sich in den gleichen Gruppen und werden nicht aufgrund unterschiedlicher Suchtgifte getrennt.

Die Freundeskreise sind Mitglied im Gesamtverband für Suchtkrankenhilfe e. V. und der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen.